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Die Hofstory

05.12.2022

Markus Zieren

Markus Zieren

Markus Zieren: Zwischen Forstwirtschaft, Weihnachtsbäumen und Tannengrün!

Seine Weihnachtsbäume. Sein Forstgut. Sein kleines Schweden. Das Forstgut Quellental liegt etwas versteckt in Odderade und ist beim ersten Mal für Nicht-Dithmarscher:innen gar nicht so leicht zu finden. Der Weg ins idyllische Quellental lohnt sich allerdings. Angekommen auf dem Forstgut fühlt man sich ein bisschen, als wäre man gar nicht mehr in Dithmarschen, sondern deutlich nördlicher und zwar in Schweden. Auf diesem schönen Fleckchen Erde betreibt Markus Zieren in dritter Generation, den Betrieb der sich schon seit 70 Jahren in Besitz der Familien befindet. Der sympathische Familienvater Markus Zieren hat in Kiel Agrarwissenschaften mit dem Schwerpunkt Landschaftsentwicklung studiert und ist bereits 1999 in den Betrieb der Familie eingestiegen. Seit 2002 ist er selbstständig. Schon sein Großvater war, wie er es nennt, „waldverrückt“. Er kaufte in ganz Europa Wälder, unteranderem folglich auch Quellental. Mittlerweile bewirtschaftet Markus 130 Hektar, wovon rund 106 Hektar aus reiner Waldfläche bestehen. Die restlichen Hektar teilen sich in Ackerfläche und Teichfläche auf. Da wundert es uns kaum, dass die Schwerpunkte des Betriebes aus der klassischen Holz- bzw. Forstwirtschaft und Sonderkulturen auf Waldboden mit Tannengrün und ursprünglich auch Weihnachtsbäumen bestehen. Die Teichflächen wurden früher zur Fischzucht genutzt. Jetzt sind sie Teil eines Artenschutzprojektes.

Wir haben Markus besucht und gefragt, wie ein Jahr auf seinem Betrieb aussieht, welchen Herausforderungen er sich gegenübersieht und wie er die Vorweihnachtszeit erlebt.

Waldgesetz und Sonderkultur Tannenbaum. Das Waldgesetz gibt ein ziemlich enges Korsett vor. Es dürfen beispielsweise keine Kahlschläge erfolgen und Sonderkulturen wie Nobilistannen, Nordmanntannen, japanische Sicheltannen und Scheinzypressen dürfen seit der Novellierung des Waldgesetztes im Jahr 2011 nicht mehr auf Waldboden angelegt werden. Allerdings besitz Markus noch rund 30 Hektar dieser Sonderkulturen auf Waldboden. Es musste in den letzten Jahren also eine Alternative für die Produktion der Weihnachtsbäume geschaffen werden. Glücklicherweise konnte er im Laufe der letzten 10 Jahre rund 15 Hektar Ackerfläche, arrondiert an Quellental, dazu kaufen und so die Belieferung seiner Kunden auch für die nächsten Jahre sichern. Denn eins ist klar: Das Forstgeschäft ist langfristig.

Zu Markus Kunden zählen neben Privathaushalten, die den schönsten Weihnachtsbaum für das Fest suchen auch Kranzbindereien, Floristikbetriebe vor Ort und Großhändler in Hamburg, Kiel und Hannover.

Lange, breite Nadeln, dunkles grün und dicht gewachsen. Das sind die Eigenschaften eines Baumes die wir alle am liebsten haben. Genau diese sind oft abhängig von der Herkunft der Bäume. „Die unterschiedlichen Ökotypen haben unterschiedliche Eigenschaften was Wachstumsgeschwindigkeit, Nadelausprägung und Frosthärte angeht.“ Düngung und Pflege sind dabei also oft kein Garant für schöne Bäume. Deswegen hat Markus auch Herkunftsversuche auf seinen Flächen laufen, um einfach mal zu sehen welcher Standort für welche Herkunft am besten geeignet ist. „Ob einem ein Baum gefällt oder nicht, kann also mit der Herkunft zusammenhängen.“

Privatverkauf von Weihnachtsbäumen im „kleinen Schweden“. Auf die Frage welche Besonderheiten Markus in seinem Betrieb sieht antwortete er: „Die wunderbare Lage, also für Dithmarschen ist sie ja tatsächlich ungewöhnlich und wird von vielen Kunden als Klein Schweden bezeichnet. Das passt auch irgendwie. Wir vermieten hier in Quellental die Häuser und sind so eine schöne kleine Gemeinschaft, eigentlich wie ein kleines Dorf. Uns ist es auch wichtig, dass die Leute die sich entscheiden herzukommen und hier zu leben auch reinpassen.“

Schon 1978 begannen Markus Eltern mit dem Privatverkauf von Weihnachtsbäumen. Seitdem entwickelt sich der Verkauf der Bäume stets weiter. Jedes Jahr kommt etwas Neues hinzu. Dieses Jahr war der 03. Dezember der Startschuss für den Verkauf der Bäume. Von montags bis sonntags könnt ihr den für euch schönsten Baum ergattern und anschließend mit einem Punsch anstoßen. Immer freitags können die Bäume auch selber geschlagen werden. Mittlerweile nutzten viele Firmen das Schlagen eines Baumes als eine Art „Happening“ zu Weihnachten. Am dritten und vierten Adventswochenende gibt es neben Punsch auch noch eine leckere Bratwurst auf die Hand. Seit rund 17 Jahren geht der gesamte Erlös des Punschausschanks an eine vor Ort ansässige Organisation wie z.B. dem Hospizverein Meldorf. „Da kommen immer so zwischen 3.000 und 4.000 Euro zusammen. Es wird immer reichlich gespendet.“

Doch das Jahr besteht ja nicht nur aus dem Winter und der Weihnachtszeit. Wir haben Markus gefragt wie eigentlich so ein Jahr in Quellental aussieht?
Über das Jahr hinweg hat Markus einen festen Mitarbeiter, in der Hauptsaison zur Schnittgrünernte und dem Weihnachtsbaumverkauf wächst das Team dann auf vier Personen – plus Freunde und Bekannte die sich jedes Jahr aufs Neue um die Schichten im Punschstand streiten.

„Im Winter bereinigen wir die Kulturen. Im März fangen wir an zu kalken, das geht in den Weihnachtsbaumkulturen tatsächlich nur mit der Hand. Da bringen wir also bis zu 30 Tonnen mit der Hand aus. Im April werden dann Bodenproben gezogen, so dass wir Ende April bzw. Anfang Mai mit der Düngung beginnen können. Wenn dann Pestizidbehandlungen sein müssten wäre dies dann auch der Zeitpunkt. Herbizide setzte ich seit einigen Jahren gar nicht mehr ein. Ich mache alles mit Untersaaten, ich habe also keine schwarzen Böden, sondern eine Kleegrasuntersaat. Aber tatsächlich haben wir manchmal Probleme mit Tannentrieblaus und da gibt es leider keine andere Möglichkeit, als auf ein Insektizid zurückzugreifen. Ich habe es z.B. mit Rapsöl probiert, das hat leider nicht geklappt. Die zweiten Parasiten sind die Gallmilben, die kann man aber gut mit Schwefel behandeln. Also ein Produkt das auch im Ökolandbau zugelassen ist. Dann im Mai, wenn der Terminaltrieb rauskommt, beginnen wir mit der Terminaltriebregulierung. Dafür haben wir eine Spezialzange womit man den vorjährigen Trieb im Prinzip kneift – bis zu viermal. Dadurch wird der Saftstrom in die Spitze gemindert und der Zuwachs gebremst. Das reicht aber nicht aus, um möglichst perfekte Bäume hinzubekommen. Wenn der Trieb so 10-13cm lang ist, dann müssen wir ihn nochmal pinseln. Es ist, bis auf das Mähen, also nichts maschinell möglich und auch da läuft man hinter der Maschine her.“

Was Markus seinen Berufskollegen und Kolleginnen mit auf den Weg gibt beschreibt auch eine Herausforderung die ihn begleitet: „In schwierigen Zeiten weitermachen und nicht zu früh aufgeben. Auch wenn man mal darüber nachdenkt. Wir sind gerade in einer Situation, in der – nicht unbedingt im Endverbraucher, aber im Händlerbereich – hohe Qualitätsstandards gesetzt werden und der Aufwand um die Bäume zu produzieren und die Qualität auch so zu sichern extrem groß geworden ist. Es geht darum, dass die Bäume in Form geschnitten werden oder wir die Triebe „absnippen“ damit sie schmal und kegelförmig wachsen. Wir laufen 6- bis 8-mal durch die Kulturen. Jeder Baum wird einzeln betrachtet. Dieser Aufwand müsste eigentlich mal wieder zurückgeschraubt werden. Wenn man schon Naturbäume verkauft, dann müsste sowohl bei den Händlern als auch bei den Verbrauchern die Sensibilität für einen Naturbaum da sein. Nicht jeder Baum ist perfekt gewachsen. Ich war einmal in einer Kultur in Dänemark mit 5 Hektar geklonten Bäumen und das war echt gruselig. Jeder Baum sah aus wie der andere. Da dachte ich auch wofür? Da kann man einen Baum ausnetzten und die anderen im Netz belassen und dann im Prinzip von der Stange verkaufen? Das kann irgendwie nicht das Ziel sein. Mit einem Lachen sagt Markus: „Wenn das so weit ist, dann höre ich auf. Es muss nicht immer alles perfekt sein. Der Baum darf auch mal ein Loch haben auf einer Seite und trotzdem ist er schön. Für diesen Qualitätsanspruch brauchen wir im Prinzip viel mehr Fläche. Sagen wir mal: Es stehen 7.000. Bäume auf einem Hektar. Man schafft es einfach nicht davon einen sehr sehr hohen Anteil perfekt zu produzieren. Früher konnte man zwischen 70 und 80 Prozent der Bäume nutzten. Heute sind wir tatsächlich nur noch bei 30 bis 40 Prozent. Der Rest wird in Tannengrün geschnitten, weil die Bäume den Qualitätsanspruch nicht erfüllen und das ist eigentlich schade!“

Markus, wo nimmst du deine Motivation für die, doch oft mühsame, Arbeit her?
„Die Frage stelle ich mir auch manchmal. Also es motiviert mich sehr selbständig sein zu können, ich bin da natürlich reingewachsen. Selbständigkeit ist mit Sicherheit auch nicht immer einfach und von Zeit zu Zeit beneidet man vielleicht auch Freunde und Bekannte, die angestellt sind und so auch alles hinter sich lassen können, wenn sie abends nach Hause gehen. Aber ich könnte es mir heute nichts anderes mehr vorstellen. Ich möchte immer selbständig auf meinem eigenen Grund aktiv sein und dabei vor allem auch gestalterisch aktiv sein. Gerade der Wald ist ein tolles Projekt für folgende Generationen. Ich finde es sehr spannend die Entwicklung des Waldes begleiten und anstupsen zu können. Ich produziere auch einfach total gerne Weihnachtsbäume und begleite sie übers Jahr und sehe sie gerne wachsen. Ich finde es schön, dass ich nicht jedes Jahr von Null anfangen muss. Es ist schön, wenn man so einen Progress sieht. Die Bäume wachsen und entwickeln sich. Jedes Jahr haben die Bäume auch andere Ansprüche an Behandlung, Pflege und Düngung und das finde ich tatsächlich spannend und herausfordernd – das bringt mir Spaß.“

An Ideen und Plänen für die Zukunft scheitert es genauso wenig wie an seiner Motivation
„Ideen und Pläne? Oh ja! immer! Was den Naturschutz im Wald angeht würde ich wirklich gerne mehr machen. Gerade bin ich mit der Stiftung Naturschutz in Schleswig-Holstein in Verhandlungen über ein Moorprojekt, da wir auch Waldflächen auf Moorböden haben. Dann hat die Bundesregierung gerade ein neues Programm für den Naturschutz im Wald herausgebracht. Damit werde ich mich jetzt ab Januar nochmal genauer auseinandersetzen. Ansonsten ist mein Ziel schon, dass bevor ich in Rente gehe mindestens 50% heimische Laubwaldfläche sind. Ob ich das schaffen werde weiß ich nicht – das ist aber ein Ziel, dass ich gerne erreichen würde.

Markus und der Maschinenring Dithmarschen
Markus ist schon lange Mitglied beim Maschinenring. Damals ist er mit dem Gedanken eingestiegen Energie kostengünstiger zu erwerben, sowie Beratung und Betriebshilfe in Anspruch zu nehmen.

Die wichtigste Frage an Markus bleibt jedoch: Welcher Tannenbaum steht bei euch zu Weihnachten im Wohnzimmer? „Einer der übrig bleibt. Es wird natürlich keiner genommen der extra gesägt werden muss und die Kinder dürfen immer im Wechsel aussuchen. Das ist immer einer der von niemandem genommen wird. Es bleiben immer so 10 bis 20 übrig. Dann dürfen die Kinder in der letzten Woche sich einen aussuchen und der wird dann geschmückt und sieht toll aus – jedes Jahr! Letztendlich ist es ein Naturprodukt und das darf man dabei nie vergessen. Wenn der geschmückt ist und leuchtet ist er schön.“

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